Touriprogramm

image

Heute steht das große Touristenprogramm an. Tempel, Stupas, altes Mauerwerk. Wegen des Saarc-Gipfeltreffens ist Feiertag, daher sind die Straßen erfreulich leer. Außerdem ist ein guter Tag für die Hindus zum Heiraten, daher viele geschmückte Menschen und Autos. Die Bräute sehen ein wenig aus wie Weihnachtsbäume, golddurchwirkte Saris und dann noch Lametta.
Gefeiert wird gerne mit Picknick beim Pashupati-Tempel, dass da auch Leute eingeäschert werden, stört niemanden.

German Technology

image

Da siehst es mal wieder, wir sind nicht nur im Fußball groß – Müller und Klose sind hier sehr bekannt. Auch im Klickparkettleistensektor, der Säule unserer Wirtschaft, erfahren wir Bewunderung.
Dafür sind die Nepalis die Könige der Logistik. Gestern, nach dem vierten Umsteigen, was immer zu großen Palaver wegen der reservierten Sitzplätze führt, passten dann 23 Menschen in einen Toyota-Kleinbus. Ungefähr so fühlen sich Fischstäbchen in der Verpackung, Luft ist da keine mehr.

No hurry, chicken curry

image

Ein wahrhaft slow day war gestern, bisserl Reis geerntet, Blätter für die Viecher von Bäumen geschnitten, ein wenig an der Hauselektrik gebastelt (jetzt kann Madame ihr Telefon laden, ohne dass das ganze Dorf Flackerlicht hat) Rakshi gebrannt (sehr beschaulich) und getestet, mit dem Gurkamesser das Hühnchen im Bild enthauptet, entfedert und ausgenommen. Und auf Anweisung der Mutter in ein Curry verwandelt, ich hätte ja noch Nelken und Zimt genommen, aber das wächst da nicht. Also einfach die drei Gs in Gee anschwitzen, klein gehackter Exgockel dazu, rühren im Wok, Temperatur über das rein- und rausziehen des Feuerholzes regeln, den Reis (selbst geerntet, getrocknet und gemahlen) derweil im Schnellkochtopf auf der Gasflamme garen lassen. Ein paar gehackte Tomaten und Zwiebeln dazu. Salz und Garam Masala. Fertig ist die Vorspeise.
Ich werde ja immer komisch angeguckt, wenn ich die Knochen nicht mit esse, meine Erklärungen führen dann dazu, dass die locals besonders große Knochen wie die Oberschenkel genüsslich zerkauen. Gute Zähne haben ja alle hier, auch wenn der nächste Zahnarzt Meilen entfernt ist.
Irgendwann kam dann der Vater dazu, fand das ganze ganz lecker, aber er meinte, es schmeckt anders. Das Dal Bhat seiner Gattin war dann wieder ganz so, wie er es kannte.
Dafür war er ganz aus dem Häuschen, als ich sein Bier (hatte ich noch schnell besorgt, bei uns wäre das eine Wanderung, 400 hm, 3h) mit dem Feuerzeug öffnete und ihm zeigte, wie das geht. Jetzt, meinte er, kann er etwas, was sonst keiner im Dorf kann.
Zu blöd, das Tuborg Anfang des Jahres auf tear-off-Verschlüsse umgestellt hat.

Landleben

Nach drei Stunden Fahrt im Taxi, wir wollten eigentlich nur zum Busparkplatz, aber der Preis, den wir so zum Spaß aushandelten, war attraktiv. Also mit dem Kleinwagen weiter, dann bei der Schwägerin einen Teil der Ausrüstung deponieren und dann nach einem Dal Bhat weiter mit dem Bus. Eng, laut, lustig. Ich kann ja nicht schlafen, wenn es soviel zu sehen gibt, aber der Nepali pennt, sobald der Diesel tuckert. Nach einer Stunde sind wir dann ausgestiegen und noch eine gute Stunde gegangen. Nepali flat, also dauernd rauf und runter. Eine kleine Pause beim örtlichen Dandler, ein lecker Tuborg. Die Schulkinder finden mich ganz spannend, viel heiteres Gekichere.
Dann sind wir im Dorf angekommen, einer lockeren Ansammlung von Selbstversorgerhöfen. Also kleine ockerfarbene Häuser mit Wellblechdach, Stall für die Rinder daneben und ein paar Stauden, Bananen und Papayas hauptsächlich. KIeine Gemüsebeete, Kohl, Knoblauch, Ingwer. Zwischen drin Bougainvillen, Weihnachtssternbäume und Marigold. Über allem natürlich der Rauch der Holzfeuer, das Konzept des Kamins ist unbekannt. Als Rauchabzug dient ein Loch in der Wand, entsprechend schwarz ist die Decke.
Kurz noch die Reisfelder angeguckt, die Ernte ist im Gange. Geschnitten wird mit einer Sichel, dann werden die Körner ausgedroschen und das Stroh auf pittoresken Stapeln getrocknet. Mit einem Blumenschmuck obendrauf. Ein Sack Basmati – so um die sechzig Kilo, also das, was ein Nepalese noch mit dem Stirnband den Berg hoch trägt, ohne ins Schwitzen zu kommen, bringt um die 5 US-Dollar.
Dann erst mal zwei Hühner gekauft, im ganzen und lebendig. Knickknack und der Kopf ist ab. Ich wollte ja beim Kochen zugucken, aber das ist Frauenkram und geht Männer nichts an. Zum Essen versammelt sich dann alles im Haus, sitzt auf Strohmatten am Boden aus gestampften Lehm und futtert aus den Blechtellern. Und trinkt Rakshi dazu, local wine, wie das Gebräu auf den Speisekarten heißt,  ein gar nicht mal schlechter Selbstgebrannter aus Hirse. Die Destillation ist ganz einfach, man braucht zwei ineinander gestapelte Töpfe, in den grossen kommt der gegorene Hefehirsebrei, im kleineren sammelt sich dann der Brand.
Dann wurden noch schnell die Ziegen in eine Kiste gesperrt, sonst kommt der Tiger und holt sie. Kishor meinte, Tiger sind selten geworden, aber der Leopard hat nachts auch Hunger. Die Hühner kommen in eine andere Kiste, der Schakale wegen.

image

Seit ein paar Jahren gibt es sogar Strom, aber nur für eine Stunde.
Viel gelacht, ein schöner Abend.

Raus aus den Schuhen

image

Zurück aus den Bergen. 14 Stunden für 150 Kilometer. Erst fünf Stunden an Flughafen auf Flug Nummer drei gewartet, der fiel dann aus. Was auch ganz gut war, bei dem Sturm wäre das keine Gaudi geworden. Dann einen Jeep organisiert, Mitfahrer gesammelt und los ging es. Über Stock und Stein und durch einen Wasserfall. Ich hatte den ganzen Beifahrersitz für mich allein und durfte links in die tiefste Schlucht der Welt blicken. Oh joy.

P.S. ich weiß ja nicht, wer die Dusche erfunden hat, aber die oder der sollte einen Nobelpreis bekommen. Tut das gut nach neun Tagen, das warme Wasser von oben.

No Fear

DSCF2733

liebe Wegbegleiter, das nette Paerchen aus Lille, mit denen ich mich ueber die Teile von Rindern und deren Zubereitung unterhielt, die wir als erstes in die Pfanne legen wollen, wenn wir wieder daheim sind. Trois etoiles im Guide, madame.
Marco aus Tasmanien, der ein MTB den Pass hoch und wieder runter schleppte. Die netten Franzosen aus Strassborg, denen ich einen Buff lieh.
Die vier aelteren Italiener, buon viaggio. Die beiden Oesterreicher, mit denen man so trefflich ueber die Preise laestern kann. Servas.
Und die unsaegliche deutsche Gruppe, die meinte, ihnen gehoert die Welt. Schaemt euch.

Der Moench, mit dem ich ein paar Stunden in der Sonne gesessen habe, ins Tal blickte, jeder mit sich im Reinen. Als der Schatten naeher kam, reichte ein Nicken. Manchmal braucht es keine Worte.
Die buddhistische Nonne gestern, die mir extra noch den Tempel aufsperrte, damit ich das ewige Feuer sehen konnte. Das Kloster ist auf einer tektonischen Spalte gebaut, aus der Erdgas stroemt und hat daher eine Flamme brennen. Sie nahm mich dann noch zum Vishnutempel mit, weil sie dort noch fegen musste. Eine tolle Idee, so ein kombiniertes Kloster.